Als Gemeindebau wird in Österreich ein Wohnblock des kommunalen sozialen Wohnungsbaus bezeichnet. Gemeindebauten sind seit den 1920er Jahren ein wichtiger Bestandteil der Architektur und Kultur von Wien geworden.
Durch die Zuwanderungswelle aus den Kronländern der Donaumonarchie nach Wien stieg die Bevölkerung auf über 2 Millionen Einwohner. Dadurch wurde die Wohnsituation der Arbeiterklasse oft von unzumutbaren Wohnverhältnissen bestimmt. Die Folgen dieser Entwicklung waren hohe Mieten: Die Wohnungen werden überbelegt, d.h. die Zahl der Untermieter und „Bettgeher“ stieg, und das Wohnungselend wurde immer schlimmer.
Um 1900 entstanden in der Form von Werkswohnungen die ersten Ansätze des kommunalen Wohnungsbaus. Die Arbeit von neugegründeten karitativen Stiftungen und Vereinen waren ein zweiter Ansatz für die Linderung des Elends.
Der Erste Weltkrieg bremste alle Entwicklungen, so dass 1917 fast drei Viertel aller Wiener Wohnungen überbelegte Ein- und Zweizimmerwohnungen waren. In diesem Jahr war die konservative Regierung gezwungen, bedeutende Konzessionen einzugehen: Eine Mieterschutzverordnung mit Mietzinsstopp („Friedenszins“) und eine Einschränkung des Kündigungsrechtes wurden geschaffen. Damit wurde – allerdings eher ungewollt – eine der wesentlichen Voraussetzungen für den späteren sozialen Wohnbau geschaffen.
Die in der Ersten Republik (1918–1934) im sogenannten Roten Wien regierende Sozialistische Partei Österreichs begann ein Projekt zur Verbesserung der Lebensumstände für Arbeiter. Eine große Zahl von Gemeindebauten, meist große Wohnanlagen, wurden in dieser Zeit gebaut. Dies war möglich, da die Gemeinde Wien auf Grund der gesunkenen Grundstückspreise eine Vielzahl von Grundstücken zu erschwinglichen Preisen erwerben konnte – so etwa den sogenannten „Drasche-Gürtel“ im Süden der Stadt, der von Meidling bis Kaiserebersdorf reichte, oder die „Frankl-Gründe“.
Als Wien im Jahr 1922 ein selbständiges Bundesland wurde, erlangte es vor allem auch die Steuerhoheit. Dies führte dazu, mit der zweckgebundenen Wohnbausteuer die Basis für das kommunale Wohnbauprogramm zu legen. Die Wohnbausteuer war zwar von allen Besitzern vermietbarer Räume zu entrichten, allerdings derart gestaffelt, dass die teuersten 0,5% der Objekte 44,5% der Gesamtleistung erbrachten.
Das Hauptziel war das Errichten von Wohnanlagen, die gesunde Lebensbedingungen für ihre Bewohner ermöglichten. Einschließlich der nach 1934 fertiggestellten Objekte entstanden in 382 Gemeindebauten 65.000 Wohnungen mit Wohnraum für ungefähr 220.000 Bewohner. Die Wohnungen wurden nach einem Punktesystem vergeben, das Familien und einkommensschwache Bürger bevorzugte.
In dieser Zeit entstanden die klassischen Gemeindebauten des Roten Wiens: Lassallehof (2. Bezirk), Rabenhof (3. Bezirk), Metzleinstaler Hof (der erste Gemeindebau 1919-20) und Reumannhof (beide 5. Bezirk), George-Washington-Hof und Victor-Adler-Hof (beide 10. Bezirk), Wohnhausanlage Sandleiten (16. Bezirk - die größte Anlange mit 1.587 Wohnungen), Karl-Marx-Hof (19. Bezirk - 1.325 Wohnungen) und Wohnhausanlage Friedrich-Engels-Platz (20. Bezirk - 1.467 Wohnungen)
Doch auch in den vier anderen Großstädten Österreichs entstanden im Laufe der Zeit viele Gemeindebauten. Zu nennen sind zum Beispiel Salzburg-Lehen, Linz-Urfahr, Innsbruck-Wilten oder Graz-Triester Siedlung.
Während des Februaraufstands 1934 wurde der festungsartige Aufbau der Wiener Gemeindebauten tatsächlich militärisch genutzt, wie im Karl-Marx-Hof, dem drittgrößten und berühmtesten Gemeindebau Wiens, der allerdings bei den Kämpfen stark beschädigt wurde.
Mit der Machtergreifung der Austrofaschisten 1934 erlosch die Bautätigkeit des Roten Wiens. Während der Kriegsjahre wurden die vorhandenen Mittel in die Rüstungsindustrie umgeleitet. Auf Grund der Engpässe im Wohnungsbau und bei der Nahrungsmittelversorgung entstanden auf einigen Grundstücken der Stadt die sogenannten Schrebergärten.
Zu Kriegsende im Jahr 1945 waren rund 13% des gesamten Wiener Wohnhausbestandes zerstört.
Nach Kriegsende mussten zuerst die Schäden an den Bauten beseitigt werden, immerhin war jede sechste Gemeindewohnung zerstört oder unbenutzbar. 1947 nahm die Stadt Wien mit der aus Ziegelschuttbeton errichteten Per-Albin-Hansson-Siedlung-West ihre Wohnbautätigkeit wieder auf. Daneben wurden auch die zerstörten Bauten bis zum Ende der 1950er Jahre wieder aufgebaut.
Der Architekturstil passte sich der jeweiligen Zeit an, beispielsweise im Bau von Hochhäusern oder in der Zeilenanordnung auf Grund der Baugrundknappheit. Dieser kommunale Wohnhaustyp der Wiederaufbauzeit zeichnet sich durch die Dürftigkeit der Fassadengestaltung („Emmentaler-Architektur“) aus. Damals war es wichtig, möglichst viel Wohnraum in kurzer Zeit zu errichten. Allein 1950 gab es 55.248 Wohnungssuchende, davon 31.309 der höchsten Dringlichkeitsstufe. Bis 1970 wurden auf diese Weise 96.000 Wohnungen geschaffen.
In den 1960er Jahren entstanden typische Hochhaussiedlungen in Fertigteilbauweise, wie die Großfeldsiedlung in Leopoldau oder die Siedlung Am Schöpfwerk (1967 bis 1973). In den 1970er Jahren wurden vor allem hochgeschoßige Megastrukturen verwirklicht, bevorzugt wurden Terrassenhauswohnanlagen wie die Trabrenngründe (1973-77) mit 2.437 Wohnungen. Dies war auch der Zeitraum der Stadtentwicklung auf zuvor ungenutzten Flächen.
Da die soziale Problematik solcher großdimensionierter Anlagen bald erkannt wurde, verlagerte sich der kommunale Wohnbau in den folgenden Jahren immer mehr in Richtung Baulückenschließungen, Stadterneuerungsprojekte, Wohnhaussanierung und verdichteten Flachbau.
Heute besitzt die Stadt Wien - verwaltet durch die Gesellschaft Wiener Wohnen - ca. 220.000 Gemeindebauwohnungen und ist somit die größte Hausverwaltung Europas. Es wohnen ca. 500.000 Bewohner, ein Viertel der Einwohner Wiens, in über 2.300 Gemeindebauten.
Ab Sommer 2008 sollen die ersten großen Gemeindebauten in Passivbauweise errichtet werden, beispielsweise das Eurogate auf den Aspanggründen.